Nur noch 50 statt der üblichen 75 Prozent des Gewinns ausgezahlt

Die Swedbank will aufgrund der drohenden Geldstrafen einen Kapitalpuffer aufbauen. Dadurch werden den Aktionären in Zukunft nur noch 50 statt der üblichen 75 Prozent des Gewinns ausgezahlt. Darüber berichtet das Handelsblatt.

Die unter Geldwäsche-Vorwürfe leidende schwedische Großbank Swedbank will einen finanziellen Sicherheitspuffer aufgrund der drohenden Geldstrafen aufbauen. Die ehemalige Leiterin Brigitte Bonnesen wurde rausgeworfen und der derzeitige, kommissarische Leiter der Swedbank, Anders Karlsson, erklärte am Mittwoch bei der Präsentation der Halbjahresergebnisse in Stockholm, dass die Bank im Falle einer Strafe diese auch zahlen würde. Im Bezug auf die Kapitalpuffer haben sich die Währungen und Zinsen auf längere Zeit negativ entwickelt.

Die Dividendenpolicy muss demnach verändert werden. Bisher wurden den Aktionären 75 Prozent des Gewinns ausgezahlt. Dieser wurde nun auf 50 Prozent seitens der Swedbank gekürzt. Analysten haben diesen Schritt erwartet. Vom Internetmakler Nordnet erklärte Frida Bratt der Zeitung „Svenska Dagbladet“, dass dieses Vorgehen aufgrund der Vorwürfe der Geldwäsche und den eventuell anstehenden Strafen klug und vernünftig ist. Es wurde im öffentlich-rechtlichen Sender SVT eine Fernsehdokumentation über die Swedbank gezeigt, dass diese in ihren Filialen in den baltischen Ländern zwischen 2007 und 2015 insgesamt 40 Milliarden Kronen (3,8 Milliarden Euro) gewaschen wurden.

Dem Fernsehsender liegen geheime Dokumente vor, die aufzeigen, dass die Swedbank zusammen mit der Danske Bank, die in dem größten europäischen Geldwäsche-Skandal verwickelt war, in dem Zeitraum zahlreiche Geldtransaktionen durchgeführt hat. Zwischen 2007 und 2015 soll die größte Bank Dänemarks über die in Estland verteilten kleinen Filialen ein Geldvolumen von 200 Milliarden Euro von nicht in Estland lebenden Personen und auch Unternehmen durchgeführt haben. Aus Russland, Moldawien und Aserbaidschan sollen die Auftraggeber der Transaktionen stammen.

Gewinnrückgang um 11 Prozent

Es waren mindestens 50 Unternehmenskunden im Fall der Swedbank, die Auftraggeber waren und hatten alle die gleiche Adresse in Großbritannien. Gegen die Bank ermitteln mittlerweile nicht nur die schwedischen und estnischen Finanzaufsichten, sondern auch eine amerikanische Behörde. Dies hat den Grund, dass viele der Transaktionen in Doller durchgeführt wurden. Paul Manaford, der ehemalige und mittlerweile zu einer Gefängnisstrafe verurteilte Berater von US-Präsident Donald Trump, gehörte zu den Personen, die aus Osteuropa ebenfalls verdächtige Zahlungen über die Swedbank erhalten haben.

Es kommt eine hohe Geldstrafe auf die Bank zu.

Würde es sich bewahrheiten, dass über die Zahlungen an Manafort im vergangenen Jahr nicht wahrheitsgemäß von der Swedbank die amerikanischen Untersuchungsbehörden informiert hat, wäre dies für die schwedische Bank besonders brisant. Auf das Bankhaus können in diesem Falle sehr hohe Geldstrafen zukommen. Am Mittwoch sprach der derzeitige Swedbank Chef Karlsson das sich die Bank in einer „sehr speziellen Situation“ befinde. Nach dem Rauswurf der ehemaligen Chefin Bonnesen räumt die Bank ein, dass verdächtige Transaktionen über die baltischen Filialen durchgeführt wurden.

Am stärksten hat sich nach der Unabhängigkeit der baltischen Länder von der ehemaligen Sowjetunion die schwedische Bank Swedbank in der Region etabliert. Von 2011 bis 2014 war die abgesetzte Chefin Bonnesen für die Geschäfte im Baltikum verantwortlich. Von ihrer Seite wurde stets beteuert, dass die Swedbank mit dem Geldwäsche-Skandal der Danske Bank nichts zu tun haben. Es zeigte sich jedoch bei einer internen Untersuchung, dass dies nicht der Fall war.

Der Gewinn im zweiten Quartal des Jahres betrug 5,34 Milliarden Kronen (507 Millionen Euro). Im Vergleich zum Vorjahresquartal ist dies ein Rückgang von 11 Prozent. Dagegen stieg der Zinsertrag auf 6,6 (6,2) Milliarden Kronen. Von „einem starken Quartal“ war von Karlssons Warte aus die Rede. Auch Andreas Håkansson, der Danske Bank Analyst, sagte aus, dass die Bank einen „stabilen Quartalsbericht“ vorgelegt hätte. Händler waren an der Börse jedoch nicht so überzeugt, denn die Swedbank- Aktie fiel im Kurs um knapp sechs Prozent.